

Digitale Bildbearbeitung und Programme wie das großartige Adobe Photoshop sind die Foto-Zauberer der heutigen Zeit. Fältchen verschwinden mit wenigen Handgriffen und mit nur wenigen „Klicks“ purzeln die virtuellen Pfunde. Wäre das in der Realität genau so einfach, würde die Kosmetik-Industrie vermutlich bankrott gehen.
Schauen Sie in Ihre Lieblings-Illustrierte, Zeitung, Fernsehen, Plakatwände, Magazine, Prospekte, Kataloge - all diese Dinge prägen ein Bild der Perfektion, die es in der Realität nicht gibt. All diese gut gebauten, stattlichen Mannsbilder und kurvenreichen Frauen mit Beinem bis zum Himmel und einer Haut wie ein junger Pfirsich haben eines gemeinsam - sie schummeln. Und hinter jedem dieser perfekten Körper steckt ein unscheinbarer Mensch wie ich - ein pfiffiger Fotograf mit einem Händchen für digitale Bildbearbeitung.
Schnell jedoch wird gerne mit der digitalen Bildbearbeitung großer Pfusch praktiziert, wenn beim Bearbeiter die Augen größer sind als der Magen. Ein klares Indiz für den typischen Photoshop-Kur-Pfuscher sind eine Haut wie aus Plastik, blödsinnig übersättigte Farben und eine fabelwesen-gleiche, milchige Aura wie in dem nachfolgenden Beispiel:
Das Interessante ist: so wie viele kleine Kinder denken, der Geschmack von echtem Waldmeister gleiche dem von grüner Götterspeise, so nehmen viele Menschen das vorherige Beispiel als Schönheitsideal hin, weil sie es bereits zu oft gesehen haben. Jeder weiss „Das Bild ist bearbeitet“, aber empfindet es als subjektiv schön.
Das eigentliche Ziel von professioneller Bildbearbeitung ist es aber, den natürlichen Charakter und die wahre Schönheit des Individuums zu erhalten ohne sie zu verfremden oder wie im vorherigen Beispiel ins Abstrakte zu ziehen. Haut hat Poren und eine Struktur, das darf nicht entfernt werden, Menschen sind nicht orange, sondern bestenfalls leicht braun und Schönheit zeichnet sich auch nicht in einer milchigen Aura ab - oder haben Sie jemals gesehen, dass ein Model einen Schein um sich hat?
Was kann man also tun? Eine ganze Menge! Den Hautton dahingehend anpassen, dass er wirkt als hätte man ein paar Wochen in der Sonne verbracht, Unreinheiten auf der Haut entfernen - wenn es gewünscht ist auch Muttermale, die Struktur der Haut verfeinern, den Glanz der Haare erhöhen, Fältchen mildern oder entfernen, dunkle Ränder unter den Augen aufhellen, das Weiss der Augen klarer machen und so weiter. Es gibt eine schier endlose Menge an Möglichkeiten, wenn man das Ziel dabei nicht aus den Augen verliert. Es geht darum, kleinere bis größere Schönheitsfehler zu beseitigen ohne den Charakter des Motives zu verfremden. Alles andere ist keine Bildbearbeitung, sondern bestenfalls abstrakte Kunst.
Im nachfolgenden Beispiel sehen Sie das selbe Bild nach einer sinnvollen und richtigen Bildbearbeitung im Vergleich zur stümperhaften "123-Schnell-Retusche" aus dem vorherigen Beispiel:
Ganz klar - in erster Linie im Können, der Zeit und einem Auge fürs Wesentliche. Wohingegen beim ersten Beispiel relativ lieblos eine Handvoll Filter drüber geklatscht wurden, wurde von mir beim zweiten Beispiel analysiert, wo sinnvoll nachgebessert werden kann, um den Gesamteindruck zu bessern ohne ihn zu sehr zu entfremden. Natürlich ist das Model aus dem gezeigtem Beispiel nicht gerade das hässliche Entlein schlechthin, aber genau das macht es so schwierig etwas sinnvoll zu verändern. Sicherlich grenzt es immer wieder an Magie, wenn bei jemandem wie mir mit ordentlich Hüftspeck wie durch Zauberhand die Pfunde purzeln und beeindruckt alleine schon durch schiere Masse, aber bei unserem Model ist Klasse gefragt, da es hier die natürliche Schönheit zu erhalten und subtil zu untermalen gilt.
Nehmen wir beispielsweise die Augen - durch das Aufhellen des weißen Bereiches und das Erhöhen der Farbintensität der Iris wirken die Augen klarer, strahlender und präsenter. Das Aufhellen der leichten Augenringe intensiviert diesen Effekt noch zusätzlich.
Ebenso ein wichtiger Faktor der Beauty-Retusche ist die Haut. Von Natur aus ist unsere Haut keine glatte Folie ohne Makel und sollte daher auch nicht auf einem Foto so aussehen. Heikel ist es hier, einen Mittelweg zwischen optimalem Ergebnis und Realismus zu finden. Welche Fältchen können weg und in wie weit sollte man Poren noch erkennen können. Früher eher ein kleineres Problem, sind Poren mit aktuellen Digital-Kameras und immer höheren Auflösungen doch sehr deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zu vielen gängigen Methoden erhält unser spezielles Verfahren den natürlichen Charakter der Haut.
Lichte Stellen, graue Haare, schlechter Schnitt - mit all diesen Dingen hat unser Model zwar nicht zu kämpfen, trotzdem ist auch hier Potenzial zur Optimierung gegeben. So lassen sich zum Beispiel mit wenigen Handgriffen, Volumen, Sitz, Glanz und Farbfacetten optimieren. Die Haare wirken so leuchtender und voller als vorher.
Kopfform und Proportionierung
Symmetrie und Proportionalität machen ein schönes Gesicht. Durch leichte Anpassung an der Kopfform, den Lippen und Augen erreichen wir einen einheitlicheren Eindruck.
Müssen Sie sich schämen, Ihre Bilder überarbeiten zu lassen? Nein - mitnichten! Und sollten Sie trotzdem ein schlechtes Gewissen haben, dann sehen Sie sich einfach mich in einem Vorher/Nachher Vergleich an. Ich bin mir sicher, das sollte Ihre Bedenken mildern - und ja, es ist wirklich das gleiche Bild. PS: Es darf gelacht werden.